Essenzialistische und konstruktivistische Definition
Wie bei der Nation gibt es im Wesentlichen zwei Arten, einen Stamm zu definieren. Bei einer essenzialistischen Definition versucht man, die Zugehörigkeit zu einem Stamm an Hand von Eigenschaften, die seinen mitgliedern gemeinsam sind und die angeblich objektiv feststellbar sind, zu treffen, wie etwa Abstammung, Sprache, Religion, Sitten und Gebräuchen.
Oft besitzen Stämme auch eine ethnogenetische Erzählung, die berichtet, wie es zu dem Zusammenschluss kam, wie sie die Merkmale erwarben, die sie von anderen Stämmen unterscheiden, und wie sie, oft unter der Führung eines göttlichen Wesens, in ihr späteres Siedlungsgebiet gelangten. Beispiele wären etwa die Alemannen oder die Langobarden. Gerne wurde die Abstammungslinie auch auf eine Gottheit zurückgeführt.Die konstruktivistische Definition geht davon aus, dass es lediglich der 'Glaube' an eine gemeinsame Abstammung ist, der Stämme zusammenhält. Wie ethnographische Forschungen gezeigt haben, sind Genealogien in schriftlosen gesellschaften sehr flexibel und passen sich politischen Veränderungen sehr schnell an. Danach wären Stämme vor allem politische Zusammenschlüsse. So schlossen sich während der Völkerwanderung Gruppen unterschiedlicher Herkunft zu Stämmen zusammen. Den "Kristallisationspunkt" bildete dabei oft ein einzelner Anführer und dessen Nachkommen, der dann später oft als Stammvater der gesamten Gruppe galt.
Da in der Antike die Verwandtschaft als wichtigstes Gliederungsprinzip der gesellschaft galt, wurden auch rein administrative Einheiten meist auf eine gemeinsame Abstammung zurückgeführt, die wohl anfangs rein nominell war, irgendwann aber als real akzeptiert wurde.
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